Falsche Prioritäten bei den Piraten?

„Wir leiten viele unserer Forderungen aus den technischen Gegebenheiten des Internets ab. Die stehen für uns wie Naturgesetze.“

Christoph Lauer, Abgeordneter der Piratenpartei im Berliner Parlament, im SPIEGEL-Streitgespräch mit Jan Delay zum Urheberrecht. Das Interview ist leider nicht online verfügbar und nur in der Print-Ausgabe dieser Woche nachzulesen.

Mein Kommentar dazu: Mit ist eine Politik lieber, die ihre Forderungen aus einem Wertesystem ableitet, als aus „technischen Gegebenheiten“. Das scheint mir auch das Grundproblem der Piratenpartei zu sein: Für welchen gemeinsamen Wertekanon will man sich denn stark machen? Größtmögliche Transparenz, basisdemokratische Entscheidungsstrukturen und freies Kopieren für alle, reichen als Konsens ja wohl nicht aus, um eine Gesellschaft zu gestalten. Bin mal gespannt, ob da noch mehr zusammenkommt, lasse mich aber gerne überraschen.

Ein interessantes Rechtsverständnis offenbart in meinen Augen auch der Pirat Matthias Schrade, immerhin Beisitzender des Bundesvorstandes der Partei, wenn er beim Thema Markenrechte/politisch neutrale Playmobil-Piraten behauptet: „Wenn jemand Eigentümer von solchen Figuren ist, kann er meiner Meinung nach damit machen, was er will“.

4 Gedanken zu „Falsche Prioritäten bei den Piraten?

  1. Technische Gegebenheiten sind zwar nicht (ganz) Naturgesetze, aber man kann erstere genausowenig ignorieren wie letztere. Urheberrecht fällt in eine andere Kategorie als physisches Eigentum, und was genau sein Zweck eigentlich ist, ist zumindest diskutabel, genauso wie die Frage, ob die heutige Inkarnation diesen Zweck erfüllt. Ob das Internet das Kopieren und Weitergeben elementar vereinfacht hat, kann man hingegen nicht zur Diskussion stellen – das ist so und läßt sich in einem freiheitlichen System auch nicht ändern.

    Und die Idee, daß man mit einem gekauften Gegenstand *nicht* machen darf, was man will, ist dem ganzen Eigentumsgedanken einigermaßen kontraintuitiv. Ich sehe zwar inzwischen ein gewissen Schutzbedürftnis (i.W. vor Reproduktion), aber das darf IMHO nicht in eine totale Kontrolle durch den Hersteller ausarten – ob nun Playmobilpiraten eine Piratenparteifahne in der Hand halten oder … soll Ikea ernsthaft den Piraten verbieten können, sich mit ihnen zu möblieren?

  2. wäre es ein großes Problem, die Rechtschreibfehler aus diesem ungemein meinungsstarken Artikel zu entfernen? Oder ist das der Preis der Meinungsfreiheit?

  3. „Ein interessantes Rechtsverständnis offenbart in meinen Augen…“Wenn jemand Eigentümer von solchen Figuren ist, kann er meiner Meinung nach damit machen, was er will”“

    also was daran jetzt ein „interessantes Rechtsverständnis“ sein soll, erschliesst sich mir ebenfalls nicht, ich halte das auch für eine normale aussage, ich habs gekauft, kann ich machem mit, was ich will, punkt. jaja, schon klar, politische werbung oder überhaupt werbung mit figuren eines bekannten markenherstellers, schon klar.

    das ist doch alles nur noch krank.

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